Home Sport BVB: Meisterschaft? Welche Meisterschaft?
Sport - 16.12.2018

BVB: Meisterschaft? Welche Meisterschaft?

Bei eisigen Temperaturen feiert Borussia Dortmund erstmals seit 2010 wieder die Herbstmeisterschaft. Das Wort „Meisterschaft“ scheint aktuell jedoch bei Spielern, Verantwortlichen und Fans ein Fremdwort zu sein.

Ein unheimliches Ensemble: In der Liga ist der BVB ungeschlagen

Michael Polaczek steht unter der Südtribüne und schüttelt den Kopf. Natürlich findet er den Fußball des neuen BVB-Teams begeisternd, aber bitte jetzt nicht abheben. „Herbstmeister gibt’s ja eigentlich gar nicht“, sagt der Dortmund-Fan und grinst. Was so viel heißen soll wie: Fühlt sich aber ziemlich gut an. Dann wird seine Miene wieder ernst: „Wollen wir mal abwarten, was in der Rückrunde passiert. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, sagt der 33-jährige Dortmunder, der seit Jahren eine Dauerkarte für die Südtribüne besitzt. „Noch ist nichts gewonnen“, sagt er und hat damit zu 100 Prozent die kommunikative Marschroute der Klubführung verinnerlicht. Bloß nicht zu früh freuen, die Saison ist noch lang.

Nach 15 Spieltagen steht Borussia Dortmund so unangefochten an der Tabellenspitze, dass dem Team von Trainer Lucien Favre die so genannte Herbstmeisterschaft, der inoffizielle Titel des Tabellenführers zur Winterpause, nicht mehr zu nehmen ist. Das 2:1 (2:1) gegen Werder Bremen ist der vierte Sieg in Serie und verloren hat der BVB in der Bundesliga noch gar nicht in dieser Saison. Eine Entwicklung, die dem jungen, neuformierten Team wohl niemand zugetraut hat und vielleicht auch deshalb steht man beim BVB konstant auf der Emotionsbremse: „Wir haben noch zwei Spiele. Was sollen wir jetzt ein Fazit ziehen? Ist gut, aber wir spielen in drei Tagen wieder“, macht Michael Zorc in seiner unnachahmlich trockenen Art klar. Und Axel Witsel, der neue Leitwolf auf dem Platz, mauert ebenfalls im DW-Interview: „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um über die Meisterschaft zu reden. Die Rückrunde wird noch lang für uns.“

Das Dortmunder Tempo macht den Gegner machtlos

Viel Understatement bei einem Team, das derzeit Fußball-Europa beeindruckt. Zumindest zu Beginn auch gegen Werder Bremen. Bei frostigen Temperaturen um -2 Grad Celsius rollt eine Angriffswelle nach der nächsten über die Spielfeldhälfte von Werder. SVW-Coach Florian Kohfeldt hat seine Elf mit einer breiten Defensivreihe gut eingestellt auf die überfallartig vorgetragenen Konter der Borussia, die oft über die Flügel kommt, und doch scheint Bremen machtlos angesichts der Schnelligkeit des gegnerischen Spiels.

Kaum zu verteidigen: Das Duo Reus-Alcacer wirkt wie seit Jahren eingespielt

Und wie schnell es beim BVB gehen kann, sieht man in der siebten Minute: Reus schickt auf der linken Seite Guerreiro steil, der mit einem weiteren schnellen Pass Alcacer findet. Der spanische Stürmer lupft über SVW-Keeper Jiri Pavlenka, doch der zurückgesprintete Davy Klaassen wehrt den Ball artistisch per Grätsche noch kurz vor der Torlinie ab. Kurz darauf ist Reus erneut der Ausgangspunkt einer Chance, doch Klaassen schubst ihn im Strafraum um und Schiedsrichter Guido Winkmann sieht darin eine Schwalbe des Dortmunder Kapitäns (11.). „Muss man pfeifen“, grollt Zorc nach der Partie.

Die Energie entlädt sich auf den Rängen

Doch über solche Dinge ärgert sich das neue Dortmunder Team nicht lange. Die pure Lust am Spiel ist schier zu greifen. Als Paco Alcacer nach einem Freistoß von Raphael Guerreiro unhaltbar ins Tor köpft, entlädt sich die ganze Energie des BVB auch auf den Rängen (20.) – wenn auch mit etwas Verzögerung, da der Unparteiische zunächst eine Abseitsposition sieht, sich dann aber wieder korrigiert. Und wie das so ist, wenn es einmal läuft, geht manches ganz leicht. Als Bremens Abwehr den schnellen Jadon Sancho auf der rechten Seite gewähren lässt, kann sich Marco Reus völlig unbehelligt im Strafraum postieren, bekommt den Ball und trifft trocken ins lange Eck – das 2:0 (27). Und dass aktuell auch der in der Vergangenheit schon mal wackelige Roman Bürki starke Paraden zeigt, wie beim sehenswerten Schuss von Kevin Möhwald (32.), ist ein weiterer Beleg dieser These.

Der Gegentreffer durch Max Kruse (35.), der geschickt ausnutzt, dass die junge BVB-Abwehr den Ball nicht aus dem Zentrum bekommt, zeigt zwar, wo die noch unerfahrene Defensivreihe ihre Schwächen hat. Doch da Achraf Hakami, Manuel Akanji und Co. gleichzeitig viel für die Spieleröffnung tun und maßgeblich zur Dortmunder Offensivstärke beitragen, verzeihen ihnen die Fans solche Fehler sofort. Zumal stets die Absicht erkennbar ist, knifflige Situationen spielerisch zu lösen.

Erinnerungen an eine Feier auf der B1

Ihre Helden feiern die Dortmund-Fans auch wenn sie weg sind

In Halbzeit zwei dreht der Motor des BVB etwas langsamer. Ein Freistoß von Marco Reus zählt noch zu den gefährlicheren Szenen (71.). Das ändert nichts an der Dortmunder Effizienz: Die Mannschaft spielt so gut sie eben muss, um zu gewinnen. Das war in Gelsenkirchen und Monaco so und so ist es auch gegen Bremen. Selbst die Tatsache, dass Mario Götzes Tor in der Nachspielzeit wegen einer Abseitsstellung richtigerweise von Schiedsrichter Winkmann aberkannt wird, tut der Stimmung auf den Rängen keinen Abbruch. Die Fans feiern längst die Herbstmeisterschaft – und in ihrer unnachahmlichen Weise auch Rückkehrer Nuri Sahin, der auch im Bremer Trikot einen tosenden Abschied vor der Südtribüne bekommt.

Und doch schwappt die Euphorie im Stadion nicht gerade über. Schon gar nicht bei Berufs-Realist Lucien Favre. „Die Herbstmeisterschaft bedeutet mir nicht viel. Das ist gut, wir sind zufrieden, aber das nächste Spiel ist immer das Wichtigste.“ Genau, und der Ball ist rund. Mehr ist auch Borussia-Fan Michael Polaczek nicht zu entlocken. Von der Meisterschaft möchte er noch nicht sprechen. Nur so viel: „Die letzte Meisterschaft haben wir auf der B1 (die Bundesstraße 1, die durchs Ruhrgebiet führt, Anm. d. Red.) gefeiert, mit gefühlt einer Millionen Menschen oder mehr. War ganz cool.“


  • „Vielleicht die beste Saisonleistung“

    Borussia Dortmund – Werder Bremen 2:1 (2:1)

    Elftes Tor (20. Minute) im zehnten Bundesligaspiel – die Quote von Dortmunds Profi Paco Alcácer (Foto rechts) ist beeindruckend. Dies ist erst zwei Spielern vor ihm in der Bundesliga gelungen: Horst Hrubesch und Klaus Matischak. Auch Reus (Foto links, 27.) trifft in der ersten Halbzeit. Bremen zeigt zwar Moral und kommt durch Kruse zum Anschlusstor (35.), aber Punkte nimmt Werder nicht mit.


  • „Vielleicht die beste Saisonleistung“

    Hannover 96 – Bayern München 0:4 (0:2)

    Für Hannover geht es während der Partie nur um Schadensbegrenzung: Kimmich erzielt das erste Tor bereits nach zwei Minuten. Alaba (29.), Gnabry (53.) und Lewandowski (62.) sind ebenfalls erfolgreich. „Für diese Spielfreude hat meine Mannschaft ein ganz großes Lob verdient. Vielleicht war es mit die beste Leistung in dieser Saison“, so Bayern-Trainer Kovac. Hannover ist nun Tabellenletzter.


  • „Vielleicht die beste Saisonleistung“

    Hoffenheim – Borussia Mönchengladbach 0:0

    Ein bittereres Jubiläum: Mönchengladbachs früherer Spielmacher ist diese Saison nur noch Ersatzspieler. In Hoffenheim wird er zehn Minuten vor Spielende eingewechselt – sein 150. Bundesligaspiel für die Borussia. Nach fünf Minuten verletzt sich der Brasilianer an der Schulter und muss wieder raus. Die TSG hätte – bei 25:6 Torschüssen – die Partien für sich entscheiden müssen.


  • „Vielleicht die beste Saisonleistung“

    Fortuna Düsseldorf – SC Freiburg 2:0 (0:0)

    Wichtiger Sieg für Aufsteiger Düsseldorf: Die Fortunen holen gegen den zuletzt starken SC Freiburg ihren dritten Saisonsieg und sind damit nicht mehr Tabellenletzter. Beide Tore erzielt ein Abwehrspieler – Ayhan (55./79.). Der 24-Jährige jubelt über seine ersten beiden Saisontore. Freiburgs Top-Torjäger Petersen muss derweil weiter darauf warten, bester Torschütze der Vereinsgeschichte zu werden.


  • „Vielleicht die beste Saisonleistung“

    FC Augsburg – FC Schalke 04 1:1 (1:0)

    Zwei Tabellennachbarn unter sich: Es ist eine dürftige Partie, die alleine von der Spannung lebt, wer die Punkte mitnehmen wird. Augsburg erwischt den besseren Start, geht nach 13 Minuten durch Gregortisch (Foto) in Führung. In der zweiten Halbzeit gleicht Caligiuri (52.) noch aus. Schalke bleibt damit einen Punkt vor Augsburg, aber Platz 13 ist für den Vizemeister nicht zufriedenstellend.


  • „Vielleicht die beste Saisonleistung“

    VfB Stuttgart – Hertha BSC 2:1 (0:1)

    Erleichterung im Schwabenland: Stuttgart dreht die Partie gegen Hertha – dank eines Doppelpacks von Stürmer Gomez (64./76). Zuvor hatte Mittelstädt die Gäste aus der Hauptstadt in Führung gebracht. Für den VfB sind das drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenverbleib. Hertha dagegen verpasst den Sprung auf einen Europapokal-Platz.


  • „Vielleicht die beste Saisonleistung“

    1. FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 0:2 (0:0)

    Schleppender Auftakt in den 15. Spieltag: Nachdem es torlos in die Pause geht, bricht Ginczek (58. Minute) das Eis im eiskalten Nürnberg – sein drittes Spiel mit Torerfolg in Serie. Apropos: Die „Wölfe“, für die Brekalo (90.+3) zum Endstand trifft, sind seit vier Spielen ungeschlagen. Nürnberg, in der Offensive bemüht, aber harmlos, steckt nach neun Partien ohne Sieg weiter tief im Abstiegskampf.


  • „Vielleicht die beste Saisonleistung“

    RB Leipzig – FSV Mainz 05

    Daumen hoch? Seit dem bitteren Europa-League-Aus am Donnerstagabend ist eher Wundenlecken angesagt bei RB Leipzig. Müssen die Mainzer jetzt als Prügelknaben herhalten? Leicht vorstellbar, dass sich die RB-Spieler gegen den Außenseiter den Frust von der Seele schießen. Besonders Timo Werner (Foto), der das bittere Aus gegen Rosenborg BK nur von der Bank verfolgen durfte.


  • „Vielleicht die beste Saisonleistung“

    Eintracht Frankfurt – Bayer 04 Leverkusen

    Willkommen zum Duell der Gruppensieger! Die Eintracht und die Werkself haben in der Europa League ihre Hausaufgaben gemacht, jetzt soll in der Bundesliga der nächste Sieg folgen. Besonders die Leverkusener brauchen noch ein paar Punkte, bevor die Winterpause kommt. Ein besonderes Spiel wird es für Bayer-Torwart Hradecky, der vergangene Saison noch mit der Eintracht den DFB-Pokal gewann.

    Autorin/Autor: Stefan Nestler


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Check Also

Buchmann mit starkem Tour-Test

Die Tour de France kann für Emanuel Buchmann kommen. Mit einer starken Leistung beim 71. C…