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Sport - 1 Woche ago

Schach-WM: Warum Magnus Carlsen gegen Fabiano Caruana nicht der Favorit ist

London ist in den nächsten drei Wochen das Zentrum der Schachwelt. Dort verteidigt Weltmeister Magnus Carlsen seinen Titel gegen Fabiano Caruana. Für Spannung ist gesorgt: Carlsen hat einen sehr starken Gegner.

„Diesmal kämpfen wirklich die beiden Besten.“ So fasst der amtierende Weltmeister Magnus Carlsen die Ausgangslage zusammen. Schon der Blick auf die aktuelle Weltrangliste bestätigt diese Einschätzung des 27-jährigen Norwegers: Carlsens Gegner, der US-Italiener Fabiano Caruana, hat gerade einmal drei Pünktchen weniger als der Weltmeister auf seinem Konto. Schon lange gab es keinen WM-Kampf mehr, bei dem die beiden Kontrahenten so nah zusammen lagen. „50:50“ stünden seine Chancen, findet dann auch Caruana, der sich im März 2018 beim Kandidaten-Turnier in Berlin überzeugend durchsetzte und seitdem einen Turniersieg nach dem anderen erzielte.

Carlsen emotional – Caruana cool

Magnus Carlsen: geboren am 30.11.1990 in Norwegen

Auf den ersten Blick sitzen sich ab kommenden Freitag zwei ähnliche Spieler-Typen in London gegenüber. Beide waren Schachwunderkinder, die sich schon als Teenager entschieden, Profis zu werden. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten auf. Magnus Carlsen präsentiert sich in selbstironischen Youtube-Videos, hat als Model für eine Jeansmarke gearbeitet und agiert am Brett eher emotional. Mitunter ist der Titelverteidiger sogar ein ausgesprochen schlechter Verlierer, der nach einer Niederlage schimpfend aus dem Turniersaal läuft. Dem eher zurückhaltenden Fabiano Caruana (Spitzname: „Fabi“) liegt so etwas fern: Er wirkt immer gelassen – auch wenn die Lage auf dem Schachbrett einmal brenzlig sein sollte. Dies ist übrigens in Caruanas Partien oft der Fall, denn der Herausforderer legt seine Partien meist sehr unternehmungslustig an.

Der deutsche Schach-Bundestrainer Dorian Rogozenco sieht Caruana sogar leicht im Vorteil: „Magnus Carlsen hat es in den letzten Partien nicht ganz geschafft, seine Bestform zu erreichen“, so der Großmeister aus Hamburg, „deswegen würde ich sogar Caruana als Favorit etwas bevorzugen.“ Die Experten gehen auf jeden Fall davon aus, dass es diesmal weniger Punkteteilungen und mehr entschiedene Partien geben wird als in den vergangenen WM-Kämpfen.

Fabiano Caruana: geboren am 30.07.1992 in den USA

Dennoch hat der Weltmeister bei der Vorbereitung auf seine inzwischen dritte Titelverteidigung nur wenig verändert, verrät Carlsens Manager Espen Agdestein: „Wir haben seit 2013 einen bewährten Ablauf, der für Magnus gut funktioniert.“ Dazu gehört auch viel Sport: Carlsen gilt als begeisterter Basketball- und Fußballspieler und dürfte sich auch das ein oder andere Premier-League-Spiel im Fernsehen anschauen. „Sport und Spaß sind während eines langen, anstrengenden Matchs wichtig, um fit zu bleiben“, so sein Manager Agdestein.

Schachwelt hofft auf WM ohne Eskapaden

Bei dem WM-Match spielen die beiden Großmeister bis zum 26.11.2018 insgesamt zwölf Partien gegeneinander. Sieger des Zweikampfs in London ist, wer 6,5 Punkte erreicht. Sollte es – wie vor zwei Jahren – nach zwölf Runden keinen Sieger geben, treten beide im Schnellschach gegeneinander an. Für Titelverteidiger Carlsen ist das ein klarer Vorteil: Mit verkürzter Bedenkzeit ist der Norweger besonders stark.

Neben dem Kampf auf dem Schachbrett wird in der Schach-Szene auch das Drumherum in London für Gesprächsstoff sorgen. In den vergangenen Jahren hatten immer wieder die Eskapaden der Funktionäre die WM-Zweikämpfe überschattet. Das soll diesmal anders werden. Seit einigen Wochen steht mit Arkadi Dworkowitsch ein russischer Politiker an der Spitze des Weltverbandes FIDE. Von ihm erhofft sich die Schachszene, dass er der Denksportart Schach neue – und vor allen Dingen seriöse – Geldquellen erschließen kann. Dabei spielt das Internet eine Schlüsselrolle. Denn Schach lässt sich sehr gut und attraktiv im Internet übertragen. „Wir rechnen mit 15 Millionen Zuschauern weltweit“, sagt Ilya Merenzon, der Chef des Unternehmens „World Chess“, das die WM organisiert.

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Live-Übertragung mit Klagedrohungen

Ob sich mit diesem Publikum aber Geld verdienen lässt, ist jedoch auch bei dieser Schach-WM die große Frage. „World Chess“ will die Züge des WM-Kampfes ausschließlich an lizensierte Partner weitergeben. Ohne Lizenz sollen die Partien nur verzögert veröffentlicht werden dürfen. „Wir werden juristisch gegen alle Webseiten vorgehen, die unsere Regeln missachten“, kündigt Merenzon eine harte Linie an. Ob dies aber die Schach-Szene beeindrucken wird, bleibt abzuwarten. Denn bisher haben die Gerichte ein Copyright an den Zügen einer Schachpartie stets verneint. Espen Agdestein, der Manager des Weltmeisters, sieht den Streit um die Liveübertragung eher gelassen: “ Man kann beide Positionen gut verstehen, aber ohne eine klare Rechtsgrundlage ist es schwierig, Schach-Webseiten zu kritisieren, die die Züge einfach live übertragen.“ Der Carlsen-Manager hat gut lachen: Der Preisfond in Höhe von einer Millionen Euro ist garantiert, auch wenn die Organisatoren am Ende nicht genügend zahlende Internet-Zuschauer gefunden haben sollten.

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