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Sport - 13.03.2019

Sportsoldaten: Doping nicht auf dem Plan

Nach der Doping-Razzia bei der Nordischen Ski-WM scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Skandal andere Sportarten erreicht und auch deutsche Sportler, vielleicht sogar Sportsoldaten als Doper enttarnt werden.

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Der Verdacht läuft mit – auch bei der Biathlon-WM im schwedischen Östersund. Nach den Doping-Razzien in Seefeld und Erfurt rund um die Nordische Ski-WM Ende Februar besteht die Befürchtung, dass der Skandal noch andere Sportarten erreicht und auch deutsche Sportler des Dopings überführt werden.

Auch im Bundesverteidigungsministerium beobachtet man die Entwicklung aufmerksam. Denn die Hälfte der deutschen WM-Starter sind Sportsoldatinnen oder Sportsoldaten. In Seefeld waren 14 von 28 deutsche Athleten Mitglied einer Sportfördergruppe der Bundeswehr. In Östersund sind es fünf von zwölf deutschen Biathleten.

Es gibt keine Indizien, dass einer von ihnen zu unerlaubten Mitteln greift. Wenn aber doch einmal einer auffliegt, hätte das auch für die Bundeswehr unangenehme Folgen. Dopende Sportsoldaten würden das nach Skandalen und Affären ohnehin gerade stark ramponierte Image der Truppe weiter ruinieren.

Über Doping redet man nicht gerne

Auf die Frage, welche Konsequenzen ein positiver Dopingbefund hätte, gibt es von der Pressestelle der Bundeswehr nur eine vage Antwort, die aber im besten Beamtendeutsch:

„Wird eine Spitzensportlerin bzw. ein Spitzensportler der Bundeswehr des Dopings überführt, hat die Soldatin oder der Soldat neben den Sanktionen des zuständigen Spitzenverbandes auch dienstlich mit Konsequenzen zu rechnen, die vom Ausscheiden aus der Spitzensportförderung der Bundeswehr über Ausschluss der Verlängerung des Dienstverhältnisses bis hin zur Prüfung einer Entlassung oder Entfernung aus dem Dienstverhältnis reichen. Wichtig ist, dass jeder Fall individuell betrachtet wird.“

Bundesverteidigungsministerin von der Leyen (l.) sucht den Kontakt zu ihren Sportsoldaten

Sportsoldaten funktionieren, wo vieles nicht funktioniert

Kein eindeutiges Szenario für den Worst Case. Unvorstellbar, dass die vielen Medaillen, die die Soldaten im Trainingsanzug seit Einführung der Sportfördergruppen im Jahr 1970 erkämpft haben, Kratzer bekommen könnten. Denn die Sportförderung funktioniert, auch wenn vieles bei der Bundeswehr gerade nicht reibungslos läuft.

Eine Wohlfühloase in Krisenzeiten, offenbar auch für die Bundesverteidigungsministerin. Als der Wind um teure Berater und die marode Gorch Fock ihr besonders kräftig in Gesicht blies, reiste Ursula von der Leyen zum „Truppenbesuch“ bei der WM nach Seefeld. „Die Sportsoldaten sind ganz fantastische Botschafter und für uns sehr wichtig“, so von der Leyen. „Sie bringen das ganze Sportwissen mit, das für die Truppe sehr entscheidend ist.“

Doper Hauke und Baldauf waren Sportsoldaten in Österreich

Dass zu diesem Wissen auch Erfahrungswerte über Doping-Praktiken gehören, gilt momentan noch als ausgeschlossen. Aber die jüngsten Entwicklungen zeigen: Wirklich ausschließen lässt sich nichts.

Auch die in Seefeld erwischten Doper Max Hauke und Dominik Baldauf waren einst Sportsoldaten im österreichischen Bundesheer und später Polizeisportler, was von den Rahmenbedingungen vergleichbar ist. Das zeigt, wie weit Spitzensportler gehen, auch wenn ihnen der Staat durch eine seiner Fördermaßnahmen eine gewisse Sicherheit gibt.

Die österreichischen Langläufer Dominik Baldauf (l.) und Max Hauke waren eins Sportsoldaten in Österreich

Bundeswehr größter Arbeitgeber für Spitzensportler

Wobei die Sicherheit nicht mit der von Fußball- oder Tennisprofis vergleichbar ist. Reich werden die aktuell 692 deutschen Sportsoldaten nicht. Die meisten betreiben olympische Disziplinen, bei denen die Prämien keine schwindelerregenden Höhen erreichen.

Ihr Einkommen richtet sich nach dem Dienstgrad. Sponsorenverträge müssen sie mit dem Dienstherrn abstimmen. Trotzdem ist die Bundeswehr unter Spitzensportlern ein attraktiver Arbeitgeber. Vor allem, weil es abgesehen von Bundesgrenzschutz und Polizei, kaum vergleichbaren Alternativen gibt, die ihnen optimales Training bei einem gesicherten Grundeinkommen bietet.

Rücken frei und für die Zukunft gewappnet

Ihre Grundausbildung ist verkürzt, von Manövern sind sie in der Regel befreit. Auslandseinsätze gehören ohnehin nicht zum Jobprofil. „Etwa 90 Prozent meiner Zeit verbringe ich hier mit Sport und zehn Prozent mit militärischer Ausbildung“, rechnet WM-Teilnehmer Terence Weber vor. Der nordische Kombinierer ist Unteroffizier in der Sportfördergruppe Frankenberg.

Ob sich der 22-Jährige auch ohne den sportlichen Hintergrund für den Dienst an der Waffe entschieden hätte, lässt er offen. Ebenso Viktoria Carl, Sportsoldatin aus Oberhof. Im Langlauf gelang ihr mit dem fünften Platz im Sprint ein Achtungserfolg: „Ich profitiere sehr davon, bei der Bundeswehr zu sein, weil man den Rücken frei hat und auch für die Zukunft gesorgt ist.“

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Mit der sportlichen Karriere endet meist auch die Bundeswehrzeit

Gerade die Zukunftsperspektiven von Sportsoldaten standen lange Zeit in der Kritik. Denn eine duale Karriere war bisher nicht verpflichtend und wurde auch nicht großartig gefördert. Viele erfolgreiche Sportsoldaten standen daher am Ende ihrer sportlichen Laufbahn ohne berufliche Ausbildung vor dem Nichts.

Auch wenn mittlerweile ein Umdenken stattgefunden hat, bleiben die Möglichkeiten beschränkt, für das Leben nach der Karriere als Sportler und Zeitsoldat vorzusorgen. Und das Ende kann schneller kommen, als geplant. Verliert ein Athlet seinen Kaderplatz, etwa weil seine Platzierungen enttäuschen, wird er auch bald aus der Sportfördergruppe ausgeschlossen.

Wenige Prozent mehr Power können in einem Rennen den Unterschied machen und über Plätze und Karrieren entscheiden. Der Verlockung, sich diese Prozent über Doping zu holen, müssen auch die Sportsoldaten widerstehen.

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