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Sport - 2 Wochen ago

Was macht der Sport gegen Homophobie?

Eine Studie der Deutschen Sporthochschule zeigt, dass Homophobie im europäischen Sport weiterhin ein Problem ist. In England setzen die Fußballer der Premier League und andere Sportler ein Zeichen gegen Homophobie.

Sport wird oft als die große Bühne des Lebens, auf der alle gleich sind,  angesehen – und verkauft. Als Paradebeispiel des reinen Leistungsprinzips. Doch ganz so weit her ist es mit der Gleichstellung im Sport offenbar nicht. 

Die Deutsche Sporthochschule in Köln (DSHS) veröffentlichte Anfang des Monats erste Ergebnisse einer europaweiten Studie, an der 5.500 Personen teilnahmen. Danach sind neun von zehn Befragten aus der LGBTI-Gemeinschaft [LGBTI ist die englische Abkürzung für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle – Anm. d. Red.] der Meinung, dass es im Sport Homophobie und Transphobie gibt. 

Am häufigsten genannt wurden abfällige Äußerungen (82 Prozent der Befragten) und sexuelle Diskriminierung (75 Prozent). Jeder fünfte Befragte berichtete von gewalttätigen Auseinandersetzungen, mehr als ein Drittel sprach von „körperlichen Übertretungen“.

Professorin Ilse Hartmann-Tews, die zum DSHS-Team gehörte, das die Studie durchführte, sagte gegenüber der DW, dass die Erfahrungen in den 28 EU-Ländern sehr unterschiedlich seien. Obwohl es für eine umfassende Analyse der Ergebnisse noch zu früh sei, lasse sich jedoch schon jetzt sagen, dass die Sportorganisationen mehr tun müssten, um diese Probleme anzugehen.

„Kick it Out“, eine führende britische Antidiskriminierungsgruppe, die sich auf Fußball konzentriert, berichtete jüngst, dass die Fälle von Homophobie im britischen Fußball in der vergangenen Saison um neun Prozent zugenommen hätten. „Kick it Out“ sieht dies als Beleg für einen allgemeinen Trend wachsender Diskriminierung. 

Stonewall setzt Ausrufezeichen

Doch es gibt einen Lichtblick. An diesem Freitagabend tritt der Stonewall FC – der als erfolgreichster LGBT-Fußballverein der Welt gilt – in einem englischen Amateurliga-Spiel gegen die Wilberforce Wanderers an. Nicht irgendwo, sondern im ehrwürdigen Wembleystadion in London. Teammanager Eric Najib tritt damit gewissermaßen in die Fußstapfen von Sir Alex Ferguson, Jürgen Klopp, Jose Mourinho und vielen anderen Fußball-Größen, die mit ihren Teams an jenem Ort gespielt haben, den viele als die spirituelle Heimat des Fußballs schlechthin betrachten.

Manchester-City-Trainer Pep Guardiola während der letztjährigen Rainbow Laces-Kampagne

Najib ist seit 2001 beim Stonewall FC, der ein Jahrzehnt zuvor gegründet worden war. Seine Erfahrungen, sagte Najib der DW, stimmten nicht mit den Ergebnissen der DSHS-Studie überein. Im Gegenteil erlebe er zunehmenden Respekt und immer mehr Toleranz bei Stonewalls sportlichen Gegnern, seiner Meinung nach ein Spiegelbild der besseren Einstellung innerhalb der Gesellschaft.

„Wir haben zum Beispiel früher einmal gegen eine Mannschaft aus Spanien gespielt. Auf dem Platz gab es kein Problem“, erzählt Najib. „Aber hinterher wollten die Spieler erst aus dem Umkleideraum kommen, nachdem wir das Gelände verlassen hatten. Ich weiß nicht, was sie dachten, was passieren würde. Aber sie fühlten sich offenbar einfach unwohl.“

Das Verhältnis habe sich inzwischen gründlich geändert. „Innerhalb von zwei oder drei Jahren, in denen wir in der gleichen Liga spielen und die gleichen Gesichter sehen, ist aus einem ‚Hallo‘ ein ‚Wie geht es dir?‘ und ‚Wie läuft deine Saison?‘ geworden. Mit der Vertrautheit wird alles menschlicher.“

Das Spiel im englischen Nationalstadion ist Teil der „Rainbow Laces“-Kampagne von „Stonewall“, der LGBT-Wohltätigkeitsorganisation, die mit dem Team verbunden ist. Fußballspieler der Premier League, internationale Rugbyspieler, Dartspieler und Athleten aus allen möglichen Sportarten tragen seit November regenbogenfarbene Schnürsenkel an ihren Schuhen, um ihre Unterstützung für lesbische, schwule, bisexuelle und Transgender-Spieler und Fans zu zeigen.

Regenbogenfarbene Schnürsenkel 

So traten in der vergangenen Woche die Rugby-Nationalteams aus Frankreich und Neuseeland in regenbogenfarben geschnürten Stiefeln gegen Wales an, um den ehemaligen Rugby-Star Gareth Thomas zu unterstützen, der Opfer eines homophoben Überfalls geworden war. Der 44-jährige ehemalige walisische Nationalspieler steht seit 2009 offen zu seiner Homosexualität.

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Im deutschen Sport gibt es zwar ähnliche Kampagnen und Initiativen, doch nicht in der gleichen Größenordnung wie „Rainbow Laces“. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der rund 27 Millionen Vereinsmitglieder vertritt, sieht den Sport dennoch auf dem richtigen Weg. „Die Art und Weise, in der sich die gesamte Gesellschaft in Sachen Homosexualität weiterentwickelt, trägt dazu bei, dass sich auch der Sport immer mehr öffnet“, sagte Kirsten Witte-Abe von der DOSB-Abteilung „Chancengleichheit und Vielfalt“ der DW.  

„Bekannte Sportler wie [der ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler] Thomas Hitzlsperger oder [Beachvolleyball-Olympiasiegerin] Kira Walkenhorst  tragen ebenfalls dazu bei, das Bewusstsein zu schärfen, indem sie sich öffentlich zu ihrer Homosexualität bekennen.“

Unterschiedlicher Ansatz in Deutschland

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat Anti-Diskriminierungs-Programme auf den Weg gebracht. Sie arbeitet dabei mit Homosexuellen-Organisationen zusammen, um Vereine und Spieler zu sensibilisieren. Dass Luft nach oben ist, zeigt die Tatsache, dass noch längst nicht alle Vereine der ersten und zweiten Bundesliga sich der Kampagne „Fußball für Vielfalt“ angeschlossen haben. 

Thomas Hitzlsperger ist einer der wenigen Spitzenfußballer, die sich als schwul geoutet haben

Ein DFL-Vertreter sagte der DW, der Verband stelle aktuell keine Zunahme von Homophobie im deutschen Fußball fest, auch wenn es dazu keine konkreten Zahlen gebe. Man nehme das Problem aber ernst. Aktuell plane die DFL keine gesonderte Aktion während bestimmter Spiele, um ein Zeichen gegen Homophobie oder Transphobie zu setzen – wie es der Verband mit seinen Kampagnen gegen Rassismus und für Flüchtlinge getan hatte. 

Im Gegensatz zur DFL ignorierte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wiederholt Anfragen der DW zu diesem Thema. Zum Glück für Stonewall FC und dessen Teammanager Najib war der englische Verband FA aufgeschlossener. „Einige der Leute, mit denen oder unter deren Leitung ich früher Fußball gespielt habe, weinten am Telefon, als sie von dem Spiel in Wembley hörten“, sagt Najib. „So sehr wir vom Stonewall FC auch das glückliche Team sind, das von dem Spiel profitiert, denke ich, dass es ein Fest für alle LGBT-Fußballmannschaften ist.“

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